Kasimir und Karoline

von Ödön von Horváth

Kasimir, der Tags zuvor seine Arbeit verloren hat, besucht mit seiner Karoline das Münchner Oktoberfest. Was ein ausgelassener Abend zwischen Würstlstand und Achterbahn werden soll, erweist sich als Ausflug in den Abgrund menschlicher Beziehungen. Horváth beschreibt den Überdruck des Utopischen, die Verlorenheit von Menschen in ihrer aussichtslosen Sehnsucht nach Erlösung. Vor und hinter den Kulissen des Vergnügungsbetriebs regieren Lieblosigkeit, Gewalt, Krankheit, Angst und Anarchie. Horváths Stück aber ist weder soziale Analyse noch Psychodrama. Horváth schreibt: „All meine Stücke sind Tragödien – sie werden nur komisch, weil sie unheimlich sind.”

Neue Zürcher Zeitung

Ein Glücksfall, die Wahl dieses so aktuellen Stücks. Und Sanchez’ Interpretation, die das Österreichische und historische Zeitbezuge bewahrt. Denn gerade dadurch kann das Drama seine grosse Qualität in der präzisen Schilderung der Zusammenhänge von wirtschaftlichen Krisen und privaten Katastrophen beweisen.

Tages-Anzeiger

Die Gags und die Metaebenen, die dem Neumarkt sonst so lieb sind, bleiben rar in dieser sehr textgetreuen Arbeit, fast vermisst man sie ein wenig, weil es so beklemmend ist und weil man tatsächlich Angst bekommt um die Widerstandskraft der Emotionen angesichts einer zerbrochenen Ökonomie. Und so ist denn dieser erste grosse Abend der Zürcher Theatersaison unter der Regie von Rafael Sanchez ein richtig guter. Es steht ja zu vermuten, dass noch viele Wirtschaftskrisenstücke folgen werden, etwa der "Martin Salander" nach dem Roman von Gottfried Keller im Schauspielhaus nächste Woche, aber so ergreifend wie Horvath die Verstrickungen der vollen Herzen und leeren Hosentaschen herzuleiten wusste, wird das vielleicht nicht noch einmal gelingen.

Der Landbote

Dass das Theater Neumarkt Horvaths Volksstück gerade in unseren Wirtschaftskrisenzeiten zur Spielzeiteröffnung ausgewählt hat, macht mehr als Sinn. Denn, unter dem Eindruck des grossen Crashs von 1929 entstanden, seziert es messerscharf, was hinter dem tagespolitischen Katastrophenalltag zwischen den Menschen geschieht. Hausherr Rafael Sanchez hat das hochbrisante Stück mit seinem toll spielenden Ensemble sehr eindringlich in Szene gesetzt. Ein mit Mass humoristisch aufgelockerter, nachdenklich stimmender Theaterabend. Es gab starken Applaus.

Premiere:

Do 10.09.2009 - 20.00

Stückblatt als PDF

Dauer: 1h 30m