zurück Back to the previous page

Faust

nach Johann Wolfgang von Goethe

Regie: Tom Schneider
Bühne / Kostüm: Michael Graessner und Jens Dreske
Musik: Sandro Tajouri
Dramaturgie: Ralf Fiedler

Mit: Simon Brusis, Maximilian Kraus, Sandro Tajouri * , Alice Gartenschläger*, Anna Hofmann*

Premiere: Fr 05. Mai, 20.00 Uhr, Saal

TICKETS für Vorstellungen am:
Fr 05. Mai., 20.00 Uhr

Faust – Held der Bewegung: Stürzen wir uns in das Rauschen der Zeit, / Ins Rollen der Begebenheit!

Wie kein anderer Autor vor ihm, hinterlässt Goethe in seinen vier FAUST-Anläufen einen Steinbruch, Stückwerk, wie er sich ausdrückt, für kommende Generationen. Nicht nur die persönlichen Umstände, sondern auch die wechselnden politischen Gegebenheiten tragen zur ständigen Text-Erneuerung und Text-Anreicherung bei: Die Französische Revolution, die Industrialisierung, die Juli-Revolution von 1830, um nur die markantesten Punkte in Goethes fast 70 Jahre langer Auseinandersetzung mit dem Stoff zu nennen. Ausgangspunkt von allem ist der sogenannte Teufelspakt, der eigentlich eine Wette ist, mit der sich Faust unwiderrufllich einschwört auf: Beschleunigung, Fortschritt, Nicht-Kontemplation, den radikalen Hang zum immer Neuen:

Und Schlag auf Schlag! Werd ich zum Augenblicke sagen: / Verweile doch! du bist so schön! / Dann magst du mich in Fesseln schlagen,/ Dann will ich gern zugrunde gehn!

Das Hier und Jetzt, das bewusste Da-sein, ist von nun an wertlos, öde, tot. Nur was noch nicht da ist, nicht zur Verfügung steht, ist attraktiv und verspricht das wahre Leben. Aus dem Verbot des Verweilens geht ein Kult der Geschwindigkeit hervor. Er möchte alles und dauernd andere Dinge besitzen, neue, noch spektakulärere Bilder sehen – schreibt Michael Jaeger in einem Kommentar. Passagen des Faust-Dramas lesen sich heute wie eine Parodie der modernen Informationsgesellschaft. Kaum treten Bilder und Nachrichten in Erscheinung, sind sie durch ihr Da-sein schon da gewesen, entwertet, tot. Im zweiten Teil der Dichtung durchschreitet Faust alle denkbaren und unausdenkbaren möglichen Welten, ein Einhalten gibt es nicht mehr. Sein Ende dann findet unter ungeklärten Umständen statt: Erblindet, halluzinierend, wahnsinnig vielleicht:

Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn. /Zum Augenblicke dürft’ ich sagen: / Verweile doch, du bist so schön!

Tom Schneider, zuletzt mit seiner Inszenierung BILDER DEINER GROSSEN LIEBE am Theater Neumarkt erfolgreich, setzt in seiner Arbeit am Faust-Stoff gerade bei der Widersprüchlichkeit und Gebrochenheit des Helden an und jagt mit einem kleinen Ensemble von Spielern, Musikern und Tänzern den Facetten einer immer ungreifbarer werdenden Figur nach – und erinnert an Langsamkeit und Stille als fernen Horizont.

11