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DAS ANSCHWELLEN DER BOCKSGESÄNGE

Einfache Performance zu komplizierten Inhalten

Blutopfer, Reinigungsritual, Ausländer raus, das klingt erstmal nicht nach klassischer Kunst, nach griechischer Tragödie: Doch bei den grossen Dionysien im klassischen Athen ging es blutig und exklusiv zu: Ein Bocksopfer eröffnete den Theaterwettstreit und nicht-athenische Bürger waren von dem Spektakel ausgeschlossen. Tragödie heisst ganz archaisch «Gesang anlässlich eines Bocksopfers». Der Autor Botho Strauss hat sich vor 25 Jahren mit humanistischer Gelehrigkeit in diese Tradition gestellt und seine apokalyptische Sicht auf die Gesellschaft «Anschwellender Bocksgesang» betitelt. Was damals ein Outing eines elitären rechten Künstlers und Intellektuellen war, ist heute in ganz Europa anschlussfähig geworden: Sie schwellen an, die Bocksgesänge: in Form von Parteien, Manifesten und sogenannten «Bewegungen», die neue «Tatkraft» versprechen. Demokratien verwandeln sich vor unseren Augen in totalitäre Staaten. An diesem Abend geht das Ensemble des Theater Neumarkt der allgemeinen Normalisierung nationalistischer Argumentationen auf den Grund. Zu erleben sind erfolgreiche Schauspiele und unheimliche Wandlungen, lustige und düstere Momente des intellektuellen und persönlichen Verfalls. Denn mit Zauberkraft von Texten und Sprache kennen wir uns am Theater bestens aus. Und so lässt sich auch die Faszination für die politischen Mythen geistiger Brandstifter, traditioneller und intellektueller Rechtsradikaler, ehemaliger Linker, selbsternannter Querdenker und ehemals gemässigter Bürger zwischen Lyrik und Twitter nacherleben. Analytisch verortet wird dies durch Recherchen und Kommentare von ExpertInnen wie den Journalistinnen Anna Jikhareva, Charlotte Theile und anderen Gästen.

Mit: Simon Brusis, Phil Hayes, Sarah Sandeh, Anna Jikhareva (WOZ), Charlotte Theile (Süddeutsche Zeitung) und anderen Gästen
Einrichtung: Peter Kastenmüller und Team Neumarkt

Premiere: Di 06. November, 20.00 Uhr, Saal

TICKETS für Vorstellungen am:
Di 06. Nov., 20.00 Uhr / Do 08. Nov., 20.00 Uhr / Mi 14. Nov., 20.00 Uhr

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