Anna Karenina

nach dem Roman von Lew Tolstoi

Wiederaufnahme am 24. September 2009, Saal

Anna Karenina

Mit: Alicia Aumüller, Matthias Breitenbach, Rahel Hubacher, Jörg Koslowsky, Maria Kwiatkowsky, Thomas Müller, Thiemo Strutzenberger, Sigi Terpoorten

Regie: Barbara Weber
Bühne: Sara Giancane
Kostüme: Madlaina Peer
Musik: Knut Jensen
Choreographische Mitarbeit: Nat Huor
Dramaturgie: Ralf Fiedler

Die Ur-Maschine moderner Mobilität, die Eisenbahn, führt die beiden zusammen: Die verheiratete Anna Karenina und Graf Wronski treffen am Moskauer Bahnhof aufeinander. Anna ist dorthin gereist, um die Ehe ihres leichtlebigen Bruders Stepan und seiner Frau Darja zu kitten – und sieht plötzlich ihre eigene gefährdet. Ein kompliziertes Netz von Beziehun en wird mit einem Schlag erschüttert.
Lew Tolstoi entwirft ein politisches Gesellschaftspanorama, das vom liberalen Lebemann bis zum wahrheitssuchenden Eremiten reicht, vom Nihilisten bis zum Bureaukraten, vom Verbrecher bis zum Heiligen in tausend Nuancen. «Jeder sah das Leben, das er führte, als das einzig richtige an und das Leben des Freundes als Scheinleben.» Tolstoi hat Russland eine moderne, eine naturalistische, eine psychologische Mythologie gegeben, herausgeholt nicht aus den Nebeln der Vorwelt, sondern aus denen der Seele. Der Roman beschreibt im Kern einen zeitgenössischen Konflikt. Glücksverlangen und soziale Verpflichtungen stehen hart gegeneinander und lassen ANNA KARENINA als dramatische Liebesgeschichte par excellence erscheinen. Zugleich aber ist der Roman Infragestellung und Kritik der romantischen Liebe. Gesellschaftliche Regeln und moralische Standards sind für Tolstoi nicht einfach ein Hindernis, das dem Glück entgegensteht. Sie besitzen einen eigenen Wert, auch wenn sie immer pervertierbar sind.