die scarface-methode


eine Inszenierung der neuen Jugendtheatergruppe u21 des Theater Neumarkt
unterstützt vom Theaterclub Neumarkt
 
 
 
Regie: Florian Huber
Bühne / Kostüme: Gabriela Neubauer
Dramaturgie: Daniel Lerch
Mit: Martina Decurtins,Monique Heuberger, René Hofstetter, Simon Labhart, Flavia Rüegg, Paola Schumacher, Sina Wild 

Premiere am 28. Mai 2010, Saal. Weitere Vorstellungen: 29., 30. Mai

Die Jugendtheatergruppe des Theater Neumarkt ist zurück! Junge Theater-interessierte (zwischen 15 & 25 Jahre alt) haben gemeinsam ein Stück erarbeitet, das sich mit der Kultfigur Scarface auseinander setzt. Die Romanvorlage gleichen Titels von Armitage Trail wurde erstmals 1932 von Howard Hawks und zum zweiten Mal 1983 von Brian De Palma verfilmt. Pauline Kael schrieb als eine der wenigen Kritikerinnen positiv über das Remake: „Dies mag der einzige Action-Film sein, der sich in ein Sinnbild für Machtlosigkeit und Schwäche verwandelt". Beiden Verfilmungen gemeinsam ist die Rücksichtslosigkeit, mit der Protagonist Tony, ein skrupelloser Kleinkrimineller, sein Ziel verfolgt. 

Sein Motto hat Tony dem Werbeslogan einer Fluggesellschaft entnommen: „The world is yours." - „Die Welt gehört Dir!" Tony will die Welt, „und alles was in ihr drin' ist." Dazu gehören Macht, Geld und Frauen, oder genauer: eine ganz bestimmte Frau - doch die ist eigentlich schon vergeben. Tony erledigt seinen Job gut und erreicht alles, was er sich jemals gewünscht hat. Erst spannt er seinem Boss die Frau aus, wenig später tötet er ihn und übernimmt so das ganze kriminelle Geschäft. "In diesem Land musst du zuerst Geld machen! Wenn du das Geld dann hast, bekommst du die Macht. Und wenn du die Macht hast, bekommst du die Frauen!"

Doch die Geschichte vom Tellerwäscher, der zum Big Boss wurde, funktioniert nur, solange Scarface sein Ziel noch nicht erreicht hat. Nur solange er versucht, weiter nach oben zu kommen, behält er die Kontrolle. Als sich all seine Träume erfüllt haben, stürzt das Ganze plötzlich zusammen wie ein Kartenhaus. Noch schneller als Tony es erkämpft hat, verliert er am Ende wieder alles und stirbt im Kugelhagel.

Beide Verfilmungen des Romans, waren harter Kritik ausgesetzt. Gewalt würde viel zu explizit dargestellt, die Sprache sei unerträglich (das Wort „Fuck" fällt in De Palmas Umsetzung 182 mal) und noch weitaus schlimmer: die Gangsterwelt würde verherrlicht. Doch gegen jede Kritik setzen sich beide Filme nicht nur beim Kinopublikum durch, sondern zählen mittlerweile zu den Klassikern des Gangster-Films, deren Stilmittel heutzutage aus keinem HipHop-Video wegzudenken sind.

Die Gründe, warum sich die u21 des Theater Neumarktes an dieses besondere Projekt wagt, liegen anderswo. Tony ist ein Mann mit absolutem Willen, „die Welt und alles was in ihr drin' ist" an sich zu reissen, koste es, was es wolle. Auch wenn er seine Ziele im falschen System (der Verbrecherwelt) anstrebt, stimmen sie doch mit dem American Dream überein. Tony verkörpert die Prinzipien des Selfmade-man, die auch in unserer modernen Leistungsgesellschaft noch immer Erfolg versprechend sind.

Leistung wird uns täglich abverlangt, bei der Arbeit, in der Schule und auch im Privatleben. Scarface entspricht dem modernen Leistungsprinzip wie kaum ein anderer. Die u21 will das „Erfolgsmodell Scarface" untersuchen und hinterfragen. Die vorwiegend aus jungen Frauen bestehende u21 wird Tonys Verhaltensweisen einüben und - im Spiel - ins Privatleben übertragen. Die Frage bleibt: Wird man als Tony heute zum erfolgreichen Banker, Anwalt oder Popstar?

Mehr Infos auf der Facebook-Seite 


florian huber

Florian Huber wurde 1975 in Männedorf bei Zürich geboren. In der Jugendtheatergruppe u21 spielte er erste Rollen u. a. bei Stephan Müller und Volker Hesse. Es folgten Regiehospitanzen und -assistenzen bei Lars-Ole Walburg, Elias Perrig und Rafael Sanchez. Am Theater Basel leitete er u. a. die Jugendclubproduktion „Show And Tell - Folge #184: Luxus" und die Medienperformance „Akademie des Halbwissens". Ausserdem arbeitete er als Texter und Radiomoderator sowie als Dramaturg und Darsteller für pvc in Freiburg. 2009 lief sein Film „Kreuzung" auf europäischen Festivals und seine soziale Plastik „Spacebook" war an den Münchner Kammerspielen zu sehen.