Neu: Markt

von Carl Hegemann

Im Namen dieses Theaters ist schon eine Positionsbestimmung enthalten, die man ernst nehmen sollte. Er bezeichnet in Kurzform die Bedingungen, ohne die gegenwärtige Gesellschaften nicht überleben können: Den Markt und die Innovation. Die unsichtbare Hand des Marktes steuert unsere Geschicke hinter unserem Rücken. Daraus resultieren «Sachzwänge» und eine spezifische Dynamik, deren Konsequenzen man mit Brecht folgendermassen zusammenfassen kann: Allesaufgeben! «Habt ihr die Welt verbessert, verbessert die verbesserte Welt. Gebt sie auf!... Habt ihr die Welt verbessernd, die Wahrheit vervollständigt, so vervollständigt die vervollständigte Wahrheit. Gebt sie auf!... Habt ihr die Wahrheit vervollständigend, die Menschheit verändert, so verändert die veränderte Menschheit. Gebt sie auf!... Ändernd die Welt, verändert euch. Gebt euch auf!» (Lehrstück vom Einverständnis) 


Die permanente Revolution und die permanente Selbstaufgabe sind nicht Erfindungen Trotzkis oder Bataillesche Selbstverschwendungsträume – sondern ausserrationale Triebfedern des «rationalen Wirtschaftshandelns», wie sie die kapitalistische Gesellschaftsordnung von jedem ihrer Mitglieder verlangt. Ohne Innovation kein Markt. Und keine Innovation ohne permanente Aufgabe all dessen, was sich bisher bewährt hat. Die Dynamik dieser Gesellschaftsordnung ist das Movens der Freiheit, wir haben sie zu schätzen gelernt, sie ist aber auch das Movens des Zerfalls, die Furie des Verschwindens, sie generiert eine Bewegung, die nichts lässt, wie es war. Das macht glücklich (weil es den Erlebnishungerbefriedigt). Das macht unglücklich (weil es Vertrautheiten und Gewissheiten zerstört). Das macht schizophren. Denn die Kräfte, die eine solche Wirtschaftsform am Leben halten, zerstören sie gleichzeitig. Oder wie es einst ihr grösster Kritiker, der gleichzeitig ihr grösster Befürworter war, nämlich Karl Marx ausgedrückt hat: «Die kapitalistische Produktionsweise kann sich also nur erhalten, indem sie gleichzeitig die Springquellen allen Reichtumsunterminiert: Die Erde und die Arbeiter.» Gilles Deleuze und Felix Guattari haben die Beschreibung dieses Phänomens in ihrer Untersuchung über «Kapitalismus und Schizophrenie» für die Gegenwart differenziert: «In der Tat meinen wir, dass der Kapitalismus im Zuge seines Produktionsprozesse seine ungeheure schizophrene Ladung erzeugt, auf der wohl seine Repression lastet, die sich aber unaufhörlich als Grenze des Prozesses reproduziert. Denn der Kapitalismus hört nicht auf, seine Entwicklungstendenz zu durchkreuzen und zu hemmen, wie gleichermassen sich in sie zu stürzen und sie zu beschleunigen; er hört nicht auf, seine Grenze wegzustossen und sich ihr zu nähern.»

Warum ist die Schweiz nicht schon verschwunden?

Die Schweiz ist eine Gegend im Herzen des Kapitalismus, in der diese Dynamik auf steinharten Widerstand zu stossen scheint. In der diese Dialektik von Begrenzung und Entgrenzung erfahrbarer wird als anderswo. Hier hat sich der Kapitalismus (ähnlich vielleicht wie heute in China) auf der Basis gewachsener marktfremder Werte entwickelt, die auch heute noch einen Teil der Schweizer Identität auszumachen scheinen. Die «ungeheure schizophrene Ladung», die der Kapitalismus erzeugt, wurde hier lange Zeit, eigentlich bis auf den heutigen Tag ignoriert. Man hat sich hier in der Schizophrenie eingerichtet und dies führt seit den Zeiten Gottfried Kellers nicht etwa zu ihrer Vermeidung, sondern, wie jetzt erst langsam erkannt wird, zu ihrer grösstmöglichen Entfaltung. «Die Schizophrenie ist die geschichtsphilosophische Wahrheit des Subjekts.» Wenn man ein Land nennen wollte, dessen Bevölkerung diese These Theodor W. Adornos exemplarisch bestätigt, wäre es die Schweiz, in der Adorno immer gern zu Gast war und wo er auch gestorben ist. Das wird schon durch die Landschaft begünstigt: Die Übermacht der Natur zeigt sich in den fast allgegenwärtigen Alpenpanoramen, denen gegenüber sich Menschen begrenzt und ausgeliefert vorkommen und die Macht dieser kleinen Menschen, Grenzen zu sprengen, zeigt sich in den tausenden von Tunneln, die die Schweiz zugunsten der Mobilität flächendeckend unterminieren. (Nebenbei: Es soll Menschen geben, die beim Anblick der Alpen nichts anderes sehen als Stein gewordene Aktienkurven für die Ewigkeit und Menschen, für die die Tunnel vor allem ein Zeichen sind für die Löchrigkeit des Bodens, auf dem sie stehen.) 
Der historische Punkt, an dem diese Schizophrenie beginnt, sich in der Schweiz zu entfalten, fällt mit dem literarischen Schaffen des Nationaldichters Gottfried Keller zusammen. Für den Neu:Markt-Theaterbetrieb ist es deshalb keineswegs gleichgültig, dass das Theatergebäude am Neumarkt in Wirklichkeit ein altes Zunfthaus ist. Auch heute noch wird es einmal im Jahr geschlossen und dann findet dort das grosse Treffen der Hottinger Zunft statt, einem Kreis von «Vaterlandsfreunden», der sich der «Pflege des Bürgersinns und der Heimatliebe» und dem Andenken Gottfried Kellers verschrieben hat. «Freundschaft in der Freiheit» lautet ihr Leitmotiv, das sie aus dessen Novelle «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» entnommen haben. In dieser Novelle setzt Keller sozusagen der Urzelle der Hottinger Zunft ein Denkmal. Und wenn man hier am Theater Neu:Markt machen will, kann es nicht schaden, sich dieses frühe didaktisch-poetische Dokument des Hottinger Schweizertums ein bisschen näher anzuschauen. Der freie Handwerker und auch schon der freie Unternehmer stehen im Mittelpunkt, und sind allzeit bereit, die demokratischen Errungenschaften der französischen Revolution und die Maximen des Rütlischwurs notfalls auch mit der Waffe in der Hand «gegen Aristokraten und Jesuiten» zu verteidigen und tun gleichzeitig sehenden Auges alles, um die unaufhaltsame alles Alte auflösende Dynamik der kapitalistischen Entwicklung in Gang zu setzen und zu beschleunigen. 


Roger de Weck hat in einem Leitartikel in der Sonntagszeitung (übrigens nach einem Gespräch mit Barbara Weber über die Zunft, das Fähnlein und das Theater) Gottfried Keller deshalb schon als «Visionär» gefeiert, dabei aber den zentralen Widerspruch der diese Novelle durchzieht, eher kaschiert als verdeutlicht. Bei de Weck erscheint Keller nahezu ausschliesslich im Gewand eines nachdenklichen und national-konservativen Dichters, der den Niedergang der Werte und die Schädlichkeit des Geldes beklagt und natürlich finden sich auch Textstellen bei Keller, die das belegen. Zum Beispiel. 


«Glücklicherweise gibt es bei uns keine ungeheuer reichen Leute; lass aber einmal Kerle mit vielen Millionen entstehen, die Herrschsucht besitzen, und du wirst sehen, was die für Unfug treiben.» Oder: «Es wird eine Zeit kommen, wo in unserem Lande, wie anderwärts, sich grosse Massen Geldes zusammenhängen, ohne auf tüchtige Weise erarbeitet und erspart worden zu sein; dann wird es sich zeigen, ob der Faden und die Farbe gut sind an unserem Fahnentuch.» Aber, dass in Kellers Novelle auch ein durchaus positiv gezeichneter Bauunternehmer auftritt, der zwar nicht «ungeheuer reich» ist, aber immerhin schon «ein beträchtliches Vermögen» sein Eigen nennt und keinen Hehl aus seinem Expansionsdrang macht, wird von de Weck nicht erwähnt. Dieser freie Unternehmer mit dem Freiheit versprechenden Namen Frymann ist die interessanteste Figur in der Novelle (nebenbei: der Name seines moralisch militanten Freundes und Gegenspielers Hediger erinnert den heutigen Leser komischerweise an den von seinen Überzeugungen her ähnlich gestrickten Philosophen Heidegger) Frymann, der seinen ärmeren Freunden vorwirft, finanzielle Interessen über ihre Vaterlandsliebe zu stellen, wird von schlimmen Ahnungen geplagt, er sieht ein neues «Völkerbild» aufziehen und ihm steht «das sichere Ende der Schweiz» vor Augen. Was er (vermutlich im Gegensatz zu Keller) nicht ahnt, ist, dass er selbst durch seine Unternehmensstrategien dieses Ende vorbereitet. Das muss man genauer betrachten, auch auf die Gefahr, ins Philologische zu geraten. 
Denn hier ist der strukturelle Widerspruch von alten Tugenden und modernem Wirtschaftsdenken in Keimform zu beobachten, die dem gesamten Gesellschaftssystem seine schizoide Tendenz gibt. Die Tugenden selbst werden in den Dienst des Geschäftlichen gestellt, was den Widerspruch scheinbar beseitigt. 
Das althergebrachte ständestaatliche Denken, das zum Beispiel nur «standesgemässes» Heiraten untermateriell gleichgestellten Partnern erlaubt, dient Frymann zur Legitimation, seine schöne Tochter als Kapital einzusetzen, das ihm seine Expansionswünsche ermöglicht.

Frymann erklärt seinen Kameraden, denen er gerade noch kleinkrämerisches Geschäftsdenken vorgeworfen hat, dass er die Heirat seiner Tochter mit einem Schneiderssohn ohne Vermögen, auch wenn dessen Vater sein bester Freund und politischer Kumpan ist, nicht dulden kann, weil sie seinen wirtschaftlichen Interessen im Wege steht: «Ich habe ein umfangreiches Geschäft und ein beträchtliches Vermögen, darum suche ich mir, wenn es Zeit ist, einen Tochtermann, welcher Geschäftsmann ist, ein entsprechendes Kapital hinzubringt und die grossen Bauten welche ich im Sinn habe, fortführt, denn ihr wisst dass ich weitläufige Bauplätze angekauft habe und der Überzeugung bin, dass sich Zürich bedeutend vergrössern wird.»


Den Mann, den er sich für sein Geschäft und seine Tochter (in dieser Reihenfolge) ausgesucht hat, kennt er im Übrigen schon. Er wird wie folgt charakterisiert: «Er... lebte aus den in die Höhe geschraubten Mietszinsen alter Häuser, die er mit Geschick und ohne Kapital zu kaufen wusste. Manchmal verkaufte er eins wieder an einen Gimpel zu übertriebenen Preise, steckte, wenn der Käufer nicht halten konnte, den Reukauf und die bereits bezahlte Summe in die Tasche und nahm das Haus wieder an sich, indem erden Mietern abermals aufschlug... Dergestalt erfreute er sich einer hübschen jährlichen Einnahme, ohne eine Stunde wirklicher Arbeit...» 
Frymanns Tochter Hermine liebt zwar den armen Schneidersohn, äussert aber auch Verständnis für den Vater und spricht Klartext: «Der Vater hat einmal die Idee eine grosse Anzahl von Häusern zu bauen und damit zu spekulieren, darum möchte er einen Schwiegersohn haben, der ihm darin zur Hand geht, besonders was das Spekulieren betrifft und indem er für das Ganze besorgt ist, weiss, dass er seinen eigenen Nutzen fördert, deshalb scheint ihm dieser Herr das rechte Genie dafür zu sein. Dem fehlt nichts als ein tüchtiges Geschäftsleben, um ein ganzer Praktikus zu werden.»


Das alte ständestaatliche Bewusstsein, das sich bei Hediger so schön mit dem Gleichheitsanspruch der Revolution verbindet, wird von Frymann in eingeschäftliches Kalkül transformiert, der sich damit als den Anforderungen der Moderne gewachsen zeigt, während Hediger, der das nicht begreifen will, nur noch lächerlich wirkt: «Freilich sind wir politische Freunde, aber um es zu bleiben, wollen wir nicht die Familien durcheinander werfen und Kommunismustreiben mit dem Reichtum der einen. Ich bin arm und Frymann ist reich und so soll es bleiben; umso mehr gereicht es der inneren Gleichheit zur Freude.» Hedigers Frau, die natürlich nichts gegen eine wohlhabende Schwiegertochter hat, muss über diesen Satzherzlich lachen, wie auch der Leser. 


Interessant ist nun und bezeichnend, dass Frymann, der expandierende Unternehmer, der Zürich vergrössern will, auch derjenige ist, der den Gedanken an das unvermeidliche Ende der Schweiz nicht los wird: «Wie es dem Manne geziemt, in kräftiger Lebensmittezuweilen an den Tod zu denken, so mag er auch in beschaulicher Stunde das sichere Ende seines Vaterlandes ins Auge fassen, ...denn alles ist vergänglich und dem Wechsel unterworfen auf dieser Erde...Ein Volk, welches weiss, dass es eines Tages nicht mehr sein wird, nützt seine Tage umso lebendiger.» Er berichtet von schlaflosen Nächten, in denen er sich das zukünftige «Völkerbild in unseren Bergen» vorzustellen versucht und «jedes Mal gehe ich mit umso grösserer Hast an meine Arbeit, wie wenn ich dadurch die Arbeit meines Volkes beschleunigen könnte, damit jenes künftige Völkerbild mit Respekt über unsere Gräber gehe....» Er hat selbst aus der inneren Notwendigkeit der Kapitalverwertung aus dem Prozess der Innovation und Expansion für eine Neudeutung der alten Werte gesorgt, deren Konsequenz, wie Karl Marx es fast zur gleichen Zeitformuliert hat, «das Ende der Vaterländer und Familien» ist. Marktwirtschaft braucht keine Heimat und keine Wurzeln, keine familiären Strukturen und keine Freundschaft, sie braucht nur eins: einen funktionierenden Markt. Das heisst, sie braucht Freiheit. Der Schlachtruf des Fähnleins, «Freundschaft in der Freiheit» ist der Versuch, das alte Prinzip und das neue aneinander zu kuppeln. Wie Kellers Novelle aber deutlich zeigt, ist dies ein einseitiger Vorgang, die Freiheit ist wichtiger als die Freundschaft, Bindungen, wie freundschaftlich auch immer, die nicht marktgerecht sind, folgen der Logik des Verschwindens. «Warum ist nicht alles schon verschwunden?», fragte Jean Baudrillard, der den Äusserstkapitalismus der Gegenwart, in dem es nur noch Bilder gibt, aber nichts, das sie abbilden, analysiert hat. 


Die Pointe von Kellers Novelle liegt darin, dass sie die Gründe für die Auflösung der Schweiz im Herzen derer sucht und findet, die sie durch Beschleunigung im Sinne der alten Werte vervollkommnen wollen. Dazu passt natürlich auch das Ende der Novelle: Der arme Schneidersohn erweist sich als absoluter Siegertyp, er weiss alles und kann alles, ist ausserdem ein guter Diplomat, fähig Intrigen zu spinnen zusammen mit seiner Künftigen, er ist anpassungsfähig und durchsetzungsfähig und trifft perfekt immer ins Schwarze (er verschwendet keinen einzigen Schuss). Er erweist sich als idealer Geschäftspartner, der sich dann auch noch bereitwillig unter den «Pantoffel» der Tochter des Unternehmens stellt, in das er einheiratet. Der von Frymann ursprünglich angedachte Schwiegersohn hingegen erweist sich als Niete. So steht dem Happyend dieser Geschichte (und der Schweiz) am Ende nichts mehr entgegen. Die Liebenden kriegen sich und das Geschäft kann expandieren, grenzensprengend. 


Wer sollte etwas dagegen sagen, dass man da seine Geschäfte macht, wo sie am besten funktionieren? Ab sofort werden ein Stillhalteabkommen und ein Tabu etabliert, der Markt regiert und die Freundschaft ist unverbindliche Feierabendbeschäftigung, Folklore. Sie hat keine wirtschaftliche Funktion mehr (oder sie hat als klandestine Verschwörung der Alteingesessenen die Funktion, den freien Markt ein bisschen zu Gunsten der Etablierten zu kontrollieren - das hiesse: Sie hat in der Konsequenz etwas latent und im Ernstfall auch manifest Kriminelles!). Aber eine solche Einsicht widerspricht dem Prinzip der Freundschaft und deshalb wird sie nicht ausgesprochen. Das Ende der Schweiz wird ebenfalls nicht ausgesprochen. Freundschaft und Schweiz sind ja auch nach wie vorexistent, aber eben nur als Schein, als Fiktion, als ästhetisches Phänomen. Multinationale Konzerne sind an die Stelle der Schweiz getreten, ihnen gehört die Schweiz, sie finanzieren unsere Geschäfte, aber alle pflegen liebevoll das längst Vergangene, halten es künstlich am Leben. 


Das heisst: Wir brauchen die Fiktion, um die Wirklichkeit zu ertragen. Das Theater ist der Ort, der die Fiktionen kenntlich macht, eine Fiktion, die sich als Fiktion definiert, ist keine Fiktion mehr.

Wenn alles Fiktion ist, ist Theater Antifiktion.

Der Ausgangspunkt unserer Arbeit wäre somit eine fiktive Schweiz und ein nicht fiktives Theater. Schizophrenie ist unser Lebenselixier. Seit Keller beginnen wir das Leben im (Selbst-)Widerspruch zu üben. Wir spielen, wenn es ernst ist. Und wenn wir nicht spielen, ist es nicht ernst. Wir müssen das, die Freiheit zwingt uns dazu. Wir ziehen aus dem Scheitern unseren Gewinn und aus dem Erfolg folgt unser Verschwinden. Die tragische Grundstrukturmenschlichen Daseins, dass wir unser Leben lang auf Erfolg aus sind und gleichzeitig alles tun, um zu scheitern, wird in dieser Phase unserer Kultur kenntlich. Der Zwiespalt, in dem wir uns befinden, und der uns existentiell bedroht, ist gleichzeitig das, was uns am Leben hält, wir erhalten das System, indem wir es bekämpfen. Dass die Falle, in der wir sitzen, nicht zuschnappt, das gerade ist die Falle. Es gibt kein Entrinnen, solange wir hier sind. Wir befinden uns lebenslänglich in diesen Widersprüchen, denn durch sie leben wir. Das Ende dieser Widersprüche, ist auch das Ende unseres Lebens. Sie markieren das ausbruchsicherste Gefängnis der Welt, niemand kommt da lebend raus. Sie sind die Welt. Ihre Abschaffung ist das Ende der Welt. Solange wir also leben, leben wir in Widersprüchen, die uns zu zerreissen drohen. Wenn alles gut ist, wenn wir es wirklich geschafft haben, sind wir tot. Dies ist die fast explizite Einsicht Frymanns, der über das Ende der Schweiz auf die gleiche Weise wie über sein eigenes Ende nachdenkt. Oder wie es heute auf dem Abreisskalender stand: «Am Ende wird immer alles gut, und wenn es am Ende mal nicht gut wird, ist es eben noch nicht das Ende». Also an die Arbeit! «Erobert euer Grab!» (Aischylos)