Hier tei­len wir monat­lich mit Euch unse­re Gedan­ken zu Pro­gramm und Weltlage…

Novem­ber 2021

Lie­be Insi­de­rin­nen und Insi­der
Lie­be Links-Ver­si­ff­te, Lie­be Kurator:innen, lie­be Men­schen mit Nazivordergrund 

Trig­ger War­nung: Man­ches in die­sem Brief ist ernst gemeint, may con­tain serious language. 

Novem­ber, Nebel, Volks­ab­stim­mung. Eigent­lich ist das hier doch eine gute Platt­form, um die schöns­ten Zita­te von ein paar sehr begab­ten Män­nern zu wür­di­gen – um sie zu empowern, qua­si. Die Her­ren, bitte: 

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich kei­nes mehr. (Ril­ke, Rai­ner Maria)
Der Schie­fer­de­cker ist vom Dach gestürzt. (Schil­ler, Fried­rich)
Wenn das Haus fer­tig ist, kommt der Tod. (Mann. Wel­cher wohl, Zwin­kers­mi­ley, Fra­ge­zei­chen.)
So elend ich auch sein mag, ich zie­he es immer noch vor, so lan­ge wie mög­lich gequält zu wer­den. Und das gilt auch für alle mei­ne Pati­en­ten. (Ibsen, Henrik) 

Eben: Kunst. Schon geil, oder? Kunst ver­ste­tigt und bricht auf, stif­tet Iden­ti­tät. Ist mal Deko­ra­ti­on, mal Medi­ta­ti­on, mal Pro­vo­ka­ti­on. Manch­mal auch ein gutes Invest­ment, Rei­bungs­flä­che, mensch­li­ches Dasein in a nuts­hell. Super Sache, ins­ge­samt. Ach ja, die Glet­scher schmel­zen immer noch. Wenn du noch nicht her­aus­ge­fun­den hast, was ein Rol­li­bock ist, geh dir doch schnell das «Glet­scher-Requi­em» anschau­en. Läuft näm­lich noch.

Über­haupt, Kunst und Poli­tik auch. Was heisst eigent­lich Medi­en? Digi­ta­li­sie­rung? Com­mu­ni­ty? Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Was heisst «Wir»? Wo gera­de alle «Wir» rufen und die Krei­se um ihre Bub­bles immer enger zie­hen? Da ist bei­spiels­wei­se das «Wir» der Besitz­lo­sen, das geschlecht­lich dif­fe­ren­zier­te «Wir», das «Wir» der inter­sek­tio­na­len Femi­nis­tin­nen, das «Wir» der trau­ri­gen Män­ner, die zum Schrei­en in den Wald gehen, das «Wir» der Eco-Sex-Bewe­gung, das «Wir» der BiPoc … aber wer ist eigent­lich We, the Peop­le? In Vene­dig und als Online-Pro­jekt gehen wir in unse­rer Ko-Pro­duk­ti­on mit dem Goe­the-Insti­tut / Per­forming Archi­tec­tu­re «100 Ways to Say We» der Fra­ge nach einem ambi­tio­nier­ten und min­des­tens genau­so umkämpf­ten «Wir» nach. «How will we live together?»

Hm. Schwie­ri­ges The­ma. Aber eins ist klar: auf Brecht las­sen wir nichts kom­men! Man neh­me ein biss­chen Zei­ge­ges­tus und V‑Effekt und mische es mit good old Agit­prop… Arti­vism ist schon schwie­rig. Was ist das denn jetzt? Kunst oder Akti­vis­mus? Es ist ein biss­chen unüber­sicht­lich, zuge­ge­ben. Und, ja, nei. Künst­ler und Kri­mi­nel­le… auch so ’ne Geschich­te. Die mögen sich – so berich­ten Exper­ten in Qua­li­täts­me­di­en – seit den 1968ern sehr gern. (März 1968 ging das los, ein Don­ners­tag, mei­nen wir uns zu erin­nern). Gol­de­ne Zei­ten, als man die Gesell­schaft noch easy-peasy für alles bla­men konn­te. Unser Mann bei der Welt­wo­che, äh, Tages-Anzei­ger – natür­lich! – wür­de lie­ber mit Disar­star mitrap­pen: Dei­ne Leh­rer, Chris­ti­an Lind­ner und die Zei­tung sagen, du bist dei­nes Glü­ckes Schmied. (Gell, Rico Bandle?)

Also, selbst schuld?

Wir zie­hen uns mean­while die Box­hand­schu­he an und stei­gen mit #BIGDREAMS in den Ring. Eine Öffent­lich­keit ist ja auch ein Streit­raum. Und auch wenn wir zur Ent­täu­schung man­cher kei­ne Straf­ta­ten beschö­ni­gen und auch kei­ne Opfer dis­sen wer­den, wür­den wir doch gern reden: über struk­tu­rel­len Ras­sis­mus, die Rol­le der Medi­en und das Jus­tiz­sys­tem. What else?

Moral, das ist, wenn man mora­lisch ist, hat Büch­ner, I’ll find a day to mas­sa­c­re them all, hat Shake­speare gesagt bzw. nein, natür­lich nicht gesagt – wich­ti­ger Unter­schied! –, son­dern hat Shake­speare sagen las­sen, sei­ne Figur näm­lich. Auch schwie­rig, jetzt, weil: ob die nun aus­schliess­lich von Men­schen mit Ten­denz zum Kil­ling Spree dar­ge­stellt wer­den dür­fen, ist lei­der nicht zwei­fels­frei über­lie­fert. Aus­ser­dem war Shake­speare bestimmt eine Frau oder hat sei­ne Frau­en unbe­zahlt für sich schrei­ben las­sen. Oder Shake­speare war queer und alles noch­mal anders? Naja. Er war tot, hat Karl May geschrie­ben, fer­tig Win­ne­tou, und hat sich am Ende alles nur aus­ge­dacht. Also dür­fen das viel­leicht auch nur frei erfun­de­ne Spie­le­rin­nen spie­len? Ange­sichts so viel Exo­tis­mus und Pro­jek­ti­on sind wir tat­säch­lich über­fragt. Hil­fe! Man rufe die Stadt-Ethiker:in und den Kan­tons­ju­ris­ten! Oder wie Ger­hard Haupt­mann mein­te: Die klu­ge erfah­re­ne Dame hat nichts gegen irgend­wel­che Moral, sofern sie das Recht der Sin­ne nicht einschränkt.

Du kommst nicht mehr mit? Wir auch nicht. Zynis­mus ist moder­ni­sier­tes unglück­li­ches Bewusst­sein: erfolg­reich und ver­geb­lich auf­ge­klärt, gut­si­tu­iert und mise­ra­bel. Iro­nie dage­gen hilft, Unver­ein­ba­res zusam­men­zu­hal­ten, weil alles davon wahr ist, gera­de in sei­ner Unauf­lös­bar­keit. Ein erns­tes Spiel. Iro­nie hilft auch, das zuzu­las­sen, was in einer Welt, wo alle auf der rich­ti­gen Sei­te ste­hen, gar nicht mehr vor­kom­men darf. Wir mögen Iro­nie. Also: Sicht­bar­ma­chen, Aus­hal­ten und damit spie­len lernen! 

Aber des­we­gen, gleich­zei­tig, trotz­dem: Es lebe die Ambi­va­lenz! Es leben Gedan­ken, die zu kom­plex sind für eine Schlag­zei­le, und manch­mal trotz­dem in drei Wor­te über­setzt wer­den müs­sen! Es leben tol­le Bücher («Her­kunft»!), es leben muti­ge Men­schen (Emran Fer­oz!) und es leben die Mot­ten und das Licht (Mama!). Es leben Gefüh­le, die zu gemischt sind, als dass sie dich auf etwas kli­cken, liken oder kau­fen las­sen! Es lebe das Hof­fen und das Zwei­feln, das Schö­ne, das Wah­re und das Gute, das Ver­ge­ben und die zwei­te Chan­ce und dass es immer am dun­kels­ten ist, bevor der Tag anbricht! 

Weil: Bitch, ich lebe Leben. (Haft­be­fehl, Der)

Und: Es lebe die Kunst! Seriously. 

Also, habt euch lieb und bleibt gesund. 

Love Play Fight
Dein Neu­markt

PS: Das war hier alles nur ein Ablen­kungs­ma­nö­ver. Die Wahr­heit und das Pro­gramm fin­dest du auf unse­rer Website. 

PPS: Unser Inti­ma­cy Coach war frü­her bei Disney+.

PPPS: Wir erklä­ren, dass sich die Herr­lich­keit der Welt um eine neue Schön­heit berei­chert hat: Die Schön­heit der Geschwin­dig­keit. Ein Renn­wa­gen…, sag­te noch Mari­net­ti zum The­ma Zukunft. Dar­über wird noch zu reden sein. In der nächs­ten Folge.

Okto­ber 2021

Lie­be Erst‑, Zweit- und Dritt­ge­impf­te! Beson­de­re Com­mu­nities, lie­be SVP*! Hel­lo sunshine!

Na?
Wie geht’s?

Also wir… Wir. Na ja. Alles scheis­se, sagt Gor­go. Auch die Velo­we­ge. Aber hey! Wir sind immer noch hier (hof­fent­lich). Mit Mas­ke. Es reg­net ver­mut­lich. Dafür sind wir jetzt so rich­tig exklu­siv: Zer­ti­fi­kat, Türsteherin and all the rest. Bald 5G. Wenn Du weisst, was wir meinen.

Ja, ja, ja. Es ist wie­der Herbst. Blät­ter fal­len, Zah­len stei­gen. Aber Kopf hoch! Wir wol­len in der ungünstigen Lage nicht missgünstig wer­den. Ach, Coro­na hat auch schon mal bes­se­ren Stoff für Small­talk gelie­fert. Backt ihr eigent­lich noch Sauer­teig­brot? Im Lock­down auch Unga­risch gelernt? Insti­tu­tio­nel­le Selbst­be­fra­gung gemacht? Haben die Tali­ban jetzt eigent­lich auch einen Code of Con­duct? Aber wir schwei­fen ab.

Hier ver­liert man ein biss­chen die Ori­en­tie­rung. So zwi­schen ver­al­te­ten Kri­te­ri­en und Kenn­zah­len, Sinn und Ver­stand, Zei­chen und Bedeu­tung, Zer­ti­fi­zier­tem und Zertifikat.

Fast möch­te man sagen, alles fliesst. Aber uns scheint eher: Alles tropft. Der Regen, der Per­ma­frost, der Glet­scher. Auch eher ungünstig. Aber hey! Radi­ka­le Hoff­nung beginnt da, wo man mit der Mög­lich­keit des Unter­gangs des eige­nen Way of Life zu leben lernt. Joco­se­rious, quasi.

Weil – wenn Du Dich jetzt nicht ent­schei­den kannst, ob das jetzt trau­rig ist oder gro­tesk, um einen Glet­scher zu wei­nen, liegt das ver­mut­lich dar­an, dass eben bei­des zutrifft. So viel sei ver­ra­ten: Poe­tisch ist es dabei auch, das Glet­scher­re­qui­em. Und kennst du den? Kommt ein Rol­li­bock in ’ne Bar… (Ah? Du weisst nicht, was ein Rol­li­bock ist? Tja. Denk mal drüber nach.)

Und damit wären wir schon bei unse­rem nächs­ten High­light: Body Odour, Wet Ear­wax und Chi­hua­huas. Für alle Asi­en-Fans: Madama But­ter­fly, ein­mal gegen den Strich gele­sen, begibt sich in eine zwie­lich­ti­ge Bar und bringt uns in ein Spie­gel­ka­bi­nett aus Exo­ti­sie­rung, Ver­ach­tung, Ava­taren und Kimo­nos. Und dazwi­schen immer die­se Dis­kus­si­on darüber, wer eigent­lich wen war­um spie­len oder eben nicht spie­len darf.

Viel Ver­wund­bar­keit, west­li­che Domi­nanz… Ach, ach, ach! Und jeder Tag gleicht dem ande­ren… Aber viel­leicht ist mor­gen ja der bes­te Tag Dei­nes Lebens? Wenn Du auch Erin­ne­run­gen sor­tierst und dosierst wie Koch­re­zep­te; wenn Du isst, nicht weil Du hung­rig bist, son­dern dein Mund sich ein­sam fühlt, dann ist das Stück unse­res Ensem­ble­mit­glieds Yara Bou Nas­sar viel­leicht genau das Rich­ti­ge. Weil: Tomor­row Is the Best Day of My Life!

Wo wir schon dabei sind: War­um sind Wän­de eigent­lich nicht fle­xi­bel? Es wäre doch schön, wenn sich die Wän­de nach den Men­schen rich­ten würden, und nicht umge­kehrt! Heis­ser Tipp für sof­te Skills: → Stir­ni­mann & Sto­ja­no­vic mit Mama in der Chorgasse!

Nicht so nice und auch nicht fun­ny: Ande­re Men­schen wer­den wie­der­um so weg­ge­sperrt, dass nicht mal die Qua­li­tät der Wän­de (pink) an der Tat­sa­che was ändern würde, dass die UNO das als Fol­ter ein­ord­net. Swiss Qua­li­ty Tor­tu­re. Frei nach dem Mot­to: Wenn was stört, sperr es halt weg und mach ein Mons­ter draus. Mensch. Das gibt Klicks. Ist doch «Sick»! Stei­gen wir mit ein ins Medi­en­thea­ter- und «Carlos»-Verwertungsbusiness, um mit Cash’n’Clicks gros­se Träu­me zu träu­men. (→ #Bigdreams)

Und überhaupt: There’s no busi­ness like «SHOW BUSI­NESS»! Mela­nie Jame Wolf und Tere­sa Vit­tuc­ci fin­den raus, was es braucht, um eine Show gre­at zu machen – Enter­tain­ment, Thea­ter, Spek­ta­kel. Don’t share this insi­der secret! It’s gon­na be hot. Be ready!

Und, na ja, just say­ing: Dein Kopf ist gefickt, und du bist im Grun­de frei. Die Welt ist sick, die einen haben viel, die ande­ren nix. Pan­de­mie ist auch noch. Unse­re Emp­feh­lung: Bes­ser leben mit der Theo­rie der Fra­gi­li­tät für ein neu­es Den­ken im post/pandemischen Leben.

Also, zeigt her eure Zer­ti­fi­ka­te, Aus­wei­se, Test­ergeb­nis­se – Win­ter is coming!

Seid nett und bescheiden!

Und jetzt: Exit through the Webshop!

LOVE PLAY FIGHT
Dein Neu­markt

PS: For­get Anti­zi­ga­nis­mus, Kli­schees und Kitsch: Roma­nes ist lin­gua fran­ca und Rom­ni­ja eine Avant­gar­de der Iden­ti­tä­ten. Edu­ca­te yourself und komm vor­bei.

PPS: Arbeits­la­ger für Mäd­chen in Not, Kriegs­ma­te­ri­al­ex­por­te an NS-Deutsch­land, Ver­such der Ein­mi­schung in die his­to­ri­sche Auf­ar­bei­tung: Was die Samm­lung Bührle sonst noch so zu bie­ten hat, kann Erich Kel­ler am bes­ten selbst erzählen.

PPPS: Auch bei uns im Okto­ber sind die «Legends of Enter­tain­ment». Die ers­te macht Wit­ze über Hete­ros, die zwei­te schreibt über Kat­zen­ba­bytre­ten und die drit­te singt darüber, dass Lie­be überbewertet ist. Die­se Com­mu­ni­ty soll­te man im Auge behalten.

PPP­PS: Sol­len wir echt alles auf­zäh­len hier? Schau doch ein­fach auf die Web­site, da steht alles zu all unse­ren Ver­an­stal­tun­gen – auch was Seriöses.

 

* Lie­be Corona-Leugner:innen und Impfgegner:innen – ihr seid e chli doof, aber natürlich mit­ge­meint. Nix für ungut. Bit­te ein­fach trotz­dem tes­ten, bevor ihr kommt.

Sep­tem­ber 2021

lie­be bon­vi­vants, dea­rest rea­ders, lie­be gefähr­de­rin­nen und gefährder!

Was war das eigent­lich für ein Sommer?

Na ja, Schwamm drü­ber! Immer­hin konn­te man wie­der in den Süden flie­gen, ohne ärger­li­che CO2-Flug­bil­let­abga­be. War noch ein­drück­lich in Grie­chen­land. Dafür hat es sich doch gelohnt, den Impf­ter­min zu canceln!

Jetzt ist aber fer­tig Fern­rei­se. Wir kön­nen uns wie­der in unse­ren präch­ti­gen Klei­dern in den Foy­ers und Ball­sä­len die­ser Stadt tum­meln. Unbe­las­tet von den Irrun­gen und Wir­run­gen der glo­ba­len Ver­fasst­heit und den Zumu­tun­gen, die aus der Tier­welt auf den Men­schen über­sprin­gen. Die soll man doch mal can­celn, nicht immer uns!

All is well! Also wid­men wir uns die­se Spiel­zeit den schö­nen Din­gen des Lebens: Fami­lie und Mut­ter­schaft, Schön­heit, Natur, Pop­mu­sik und Phi­lo­so­phie, Wahr­heit, ita­lie­ni­sche Deli­ka­tes­sen und Lie­be. Ach, die Lie­be! Es geht nicht ohne sie.

Ja, nein, also gut: Wir geben es zu. Bei allem Wil­len zur Leich­tig­keit, ein paar graue Wölk­chen gibt es doch am Him­mel unse­rer See­len (Herr­je!? Gibt’s schon wie­der Hagel?). Die­se guten alten nui­san­ces: Kolo­nia­lis­mus, Ras­sis­mus, Klas­sis­mus, Sexis­mus … Fühlt Euch frei zu ergän­zen, wir arbei­ten hier ja auf Augen­hö­he. «Gelacht wird dar­über, dass es nichts zu lachen gibt», wuss­te schon der alte Ador­no, der zum Ster­ben in die Schwei­zer Ber­ge ging. Ja, ja. «Fun ist ein Stahl­bad.» Manch­mal muss man durch den kal­ten metal­li­schen Regen und in Split­tern baden. Und wäh­rend sich die grau­en Wol­ken ent­la­den, schmeis­sen wir den Por­sche Cayenne ein­fach in den See und den Tes­la in die Sihl. The mother’s dream is the son’s nightmare.

Das wird ein schö­nes Jahr! Wir star­ten die Spiel­zeit zu Gast auf den grün fun­keln­den Lan­di­wie­sen des Thea­ter­spek­ta­kels mit unse­rer inter­na­tio­na­len Kopro­duk­ti­on. In ihrer neu­es­ten Arbeit nimmt sich die jun­ge japa­ni­sche Regis­seu­rin und Autorin Sato­ko Ichiha­ra Puc­ci­nis Oper «Madama But­ter­fly» an. Eine jun­ge Gei­sha wird mit einem ame­ri­ka­ni­schen Offi­zier ver­hei­ra­tet. Die­ser schwän­gert sie – und ver­schwin­det kurz danach. Pfui, pfui, pfui! Als sie erfährt, dass er erneut gehei­ra­tet hat, begeht sie Sui­zid. Sto­ry old as time, was Frau­en halt so machen. Ichiha­ra dreht den Spiess in der his­to­ri­schen Wun­de um. Im Zen­trum des Stücks steht eine jun­ge Frau im 21. Jahr­hun­dert. Um sie her­um wal­len­de Vor­hän­ge, auf denen sich Iden­ti­tä­ten, west­li­che Schön­heits­idea­le, Gai­jin hun­ters, Loo­kis­men, Ras­sis­men und post­ko­lo­nia­le Per­spek­ti­ven ent­fal­ten. «Mas­ca­ra is your life. App­ly it over and over, in lay­ers, while into­ning, ‹Plea­se let me copu­la­te, plea­se let me copu­la­te›.» Aber: Shhh! Don’t share this Madama But­ter­fly insi­der secret!

Und weil wir, Dea­rest R_eader, so auf der­sel­ben Wel­len­län­ge sind, gleich noch ein Geheim­nis: Mit­te Sep­tem­ber laden wir dich ein, als Noviz:in Teil unse­rer Töch­ter­schu­le «Mater Dolo­ro­sa Bleed» zu wer­den. Wir ver­wan­deln den Saal in eine Schu­le und rufen die Geis­ter zurück. Don’t call us! We call you! Die Geschich­te der Mater Dolo­ro­sa geht weit zurück bis ins 19. Jahr­hun­dert. Sie war eine Dis­zi­pli­nie­rungs­an­stalt, in der aus jun­gen Frau­en per­fekt funk­tio­nie­ren­de Haus­müt­ter­chen geformt wur­den. Seit kur­zem gilt das aber in der Schweiz als unmo­dern. Des­halb dient die Mater Dolo­ro­sa nun den M_others als siche­rer Ute­rus: Abseits der Klein­fa­mi­lie mut­tern hier die «vio­la­tors of the paren­ting norm» und bil­den eine queer-femi­nis­ti­sche DIY Unter­grund-Kli­nik, eine Hexer:innenvereinigung und tau­schen Prak­ti­ken und Wis­sen rund um Mut­ter­schaf­ten, Schwan­ger­schaf­ten, Abtrei­bun­gen, pflanz­li­che Gebur­ten­kon­trol­len, Ehen für Alle und Selbst­un­ter­su­chun­gen aus. Folgt der Figur der Leih­mut­ter, werft eure Kit­tel­chen über, beob­ach­tet die Ritua­le und taucht ein. Join the fami­ly! – wenn ihr wollt. Eine Fami­lie, wie wir sie noch nicht gese­hen haben. Da ist eini­ges am Start, Baby!

Jä nu. Bleibt nur die Fra­ge: Was nützt dir dei­ne Iden­ti­tät, wenn die Mee­res­spie­gel stei­gen? Das erfahrt ihr in der nächs­ten Folge.

In die­sem Sinne,

Love Play Fight

Dein Neu­markt
(a.k.a. Home of the Creeps)