Akademie zur Verarbeitung von Enttäuschungen der Vernunft

21. September 2019 – 22. Februar 2020

Philosophische Reihe in künstlerischen Settings über Sinnansprüche Lebenswelten und Diskurse
Akademie zur Verarbeitung von Enttäuschungen der Vernunft Akademie zur Verarbeitung von Enttäuschungen der Vernunft
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Einmal im Monat ergründet das Neumarkt in musikalischen, künstlerischen Settings das Scheitern an den grossen Sinnfragen, die Verarbeitung kollektiver Enttäuschungen, Rituale des Trauerns, der Bewältigung, des Feierns und Probierens – kurzum: philosophische Fragen nach Welt(en), Wirklichkeit(en), Wahrheit(en), Wünsche(n). Die Themen der Akademie (abwechselnd und paarweise moderiert von Hayat Erdoğan, Tine Milz, Nikolai Prawdzic und Julia Reichert) wechseln hierbei ebenso wie ihre Gäste.

Folge 6: Intoxicate Us – Mit Hans-Christian Dany, Alireza Bayram und anderen (22.02.2020)

In dieser 6. Ausgabe begibt sich die «Akademie zur Verarbeitung von Enttäuschungen der Vernunft» mit dem Autor und Künstler Hans-Christian Dany sowie mit Schauspieler und Ensemblemitglied Alireza Bayram in die Abgründe und Tiefen des Rausches. Bewusstseinserweiternde Substanzen und rituelle, spirituelle Praktiken feiern Renaissance. Das Silicon Valley microdosed, die Schweiz feiert fünfzig Jahre LSD und in Berlin werden Ayahuasca-Zeremonien abgehalten. Wir fragen: Hat jede Droge ihre Zeit – oder umgekehrt? Was setzen wir als «vernünftige» Individuen der Schnelllebigkeit und dem Leistungsdruck unserer kapitalisierten Welt entgegen? Was sagt unser Hunger nach Rausch und der gehetzten Suche nach neuen Göttern über uns? 2020: ein Leben auf Microdosing oder ein Leben in Mikrodosen? Eine rituelle Integration von Räuschen in unsere Work-Life-Balance? Oder scheitert auch hier erneut unsere Vernunft, wenn wir sagen: Intoxicate us?

 

Vergangene Veranstaltungen:

Folge 1: Exploit it – Mit KLITCLIQUE und Robert Pfaller (21.9.2019)

Unter dem Titel «Exploit it» diskutiert die Akademie mit dem Künstlerinnen-Duo KLITCLIQUE ($chwanger und G-udit, im Bild) und dem Philosophen Robert Pfaller, wie Ausstellungsgesellschaft, Selbstausbeutung, Starsysteme, Rassismen, Begriffe und Haltungen, die zu It-Pieces werden, Gemeine, Geraune, Verbote und Gebote zusammenhängen und wessen (Un-)Vernunft da eigentlich wie durchwirkt. «Welches war die Welt, die man haben zu können glaubte? Was war es, was wir wissen wollten?» (Blumenberg).

Folge 2: Futurize Us – Mit Hans-Christian Dany, Philipp Theisohn, Seraina Dür und Jonas Gillmann (19.10.2019)

Diese Ausgabe der Akademie diskutiert mit dem Autor und Künstler Hans-Christian Dany, dem Literaturwissenschaftler Philipp Theisohn und den beiden Chorgassen-Resident*innen Seraina Dür und Jonas Gillmann, wie Zukünfte berechnet, fantasiert und dekonstruiert werden, wie Anthropozän, Ausserirdische, die Gebote des Kapitalismus und die drohende Kulisse des Klimawandels zusammenhängen. Was kann man von der Zukunft wissen? Wie wird Wissen von der Zukunft erzeugt? Ist Wissen immer schon auf Zukünftiges bezogen? Wie definieren wir die Welt von morgen über Räume und Zusammenleben? «Was war es, was wir hoffen durften?» (Blumenberg).

Folge 3: Humanize Us
 – Mit Kadiatou Diallo, Nele Solf, und María do Mar Castro Varela (21.11.2019)

Rassistische Humanist*innen, ausbeutende Befreiende, demokratisch gewählte Despoten, Menschenrechtsgerichtshöfe und ihre stabilisierende Funktion in einer ungleichen Weltordnung … Die Liste lässt sich endlos fortführen. Spätestens seit Horkheimer und Adornos «Dialektik der Aufklärung» ist offensichtlich, dass im Projekt der Aufklärung nicht nur die wachsende «Vernunft», sondern immer auch Herrschaft begründet liegt. Als Schattenseite der Zivilisation ist «die Barbarei» nur ein scheinbarer Widerspruch. Die Kolonialgeschichte und die daraus resultierende Weltordnung führt das exemplarisch vor Augen. Es gibt viel zu erben, Versprechen und Trauma. Der Humanismus als universeller Heilsbringer ist entzaubert und doch kann und will ein aufgeklärtes Denken hinter seinen Versprechen und Idealen – Freiheit, Gleichheit, Menschlichkeit – nicht zurück. Was tun? Frantz Fanon, Vordenker der Entkolonialisierung, ging soweit, einen «neuen Menschen» zu fordern.

Maria do Mar Castro Varela (Professorin, Postkoloniale Denkerin, Autorin), Nele Solf (Theatermacherin, Absolventin der ZHdK, und Co-Autorin von «Koloniale Grüsse aus Samoa»), Kadiatou Diallo (Wissenschaftlerin, Kuratorin und Künstlerin) und Julia Reichert (Dramaturgin und Co-Direktorin Neumarkt) werden in dieser Ausgabe, inspiriert von der auf kubanischen Plantagen entstandenen Gesangstradition «contrapunteo», Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Mitteln jeweils neu- und weitererzählen. Den Auftrag der «Akademie zur Verarbeitung von Enttäuschungen der Vernunft» ernst nehmend, suchen sie gemeinsam nach Praktiken, Grenzziehungen zu irritieren, um so, das wäre die Utopie, «die Grenze zwischen einem ‹wir und die Anderen› in ein zartes Wanken» (Maria do Mar Castro Varela) zu bringen.  Die Akademie tagt dieses Mal im Rahmen der Langen Nacht der Philosophie.

Folge 4: Egotize Us
 – Mit James Massiah und Jeremy Nedd (21.12.2019)

Mit dem Londoner Dichter, DJ und Musiker James Massiah bewegen wir uns in die Zone der Empfindlichkeiten: Altruismus, Mitleid, Empathie oder doch lieber «amoralischer Egoismus», was der Dichter-Philosoph James Massiah zum Fundament seines Denkens, künstlerischen Schaffens und Seins in der Welt erklärt. Doch beim Wort Egoismus schrecken wir auf. Zu negativ besetzt erscheint uns das damit verbundene Menschenbild.
 Was hat uns die auf abendländischen Vorstellungen des (religiösen) Mitgefühls und der Moral aufbauende Gemeinschaftlichkeit eigentlich gebracht? Trost zu suchen und zu spenden und im weiteren Sinne Empathie zu haben und zu verlangen, ist letztlich die Einsicht, «dass an der Wirklichkeit nichts geändert werden kann, folglich darauf verzichtet wird, an ihr etwas zu ändern» (Blumenberg). Wir sind untröstlich, aber: Let’s change the reality & egotize us!

Folge 5: Reinvent It – Mit Felix Rothenhäusler und Pantha du Prince (18.01.2020)

Dieses Mal erörtert die Akademie mit dem Klangkünstler Pantha du Prince und dem Regisseur Felix Rothenhäusler das gestörte Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt und begibt sich auf die Suche nach einem ökologischen Denken, das ohne die dualistische Konzeption von Mensch/Natur auskommt. Auf einer Reise, die festes Schuhwerk und warme Bekleidung bedingt, erörtert die Akademie mit den Teilnehmer*innen: Wie sähe eine Welt aus, in der Natur keine ausbeutbare Ressource, keine angsteinflössende Grösse wäre? Wie, wenn die Umwelt nicht das sogenannte Andere wäre, worüber wir trauern, weil wir sie zerstört haben, sondern etwas, in das wir unmittelbar verstrickt sind? Fakt ist: Die grossen Sinnerzählungen der alten Mythen, der traditionellen Metaphysik und religiös-heilsgeschichtliche Narrationen haben ihre Plausibilität verloren. Oszillierend zwischen theoretischer und künstlerischer Praxis wagt die Akademie die Möglichkeit der Begründung einer völlig anderen Kosmologie für das Anthropozän, einer neuen Philosophie und eines neuen Mythos. Sie gibt damit einen thematischen wie musikalischen Vorgeschmack auf MONONOKE, das ab 23.1. in der Regie der beiden Gäste zu sehen ist. Dauer: 19-22 Uhr, die Platzzahl ist begrenzt

AkademiePlayground

Produktion

Künstlerische Leitung und Moderation (abwechlsungsweise):
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