Hayat Erdo─ƒan┬®Flavio Karrer

anni­na machaz

Kollaborateur*in

Was denkt ein Hund?
Die Zwei­bei­ner sind komisch. Sie wol­len mich immer an die Lei­ne neh­men. Ich den­ke mir, okay…meinetwegen, wenn die das brau­chen! Sie füh­len sich dann ein­fach siche­rer. Wobei es ist ein Witz: Ich spü­re Erd­be­ben Tage vor­aus und sie sehen ohne Bril­le meist nicht mal bis auf die ande­re Sei­te des Fuss­gän­ger­strei­fens. Ja, ja, die Men­schen sind eine Spe­zi­es für sich. Und ihre Kom­man­dos — mein Gott! Sitz, Platz, Fuss – ich fra­ge mich da schon manch­mal, wo ich gelan­det bin, aber ich mache dies mit, damit sie sich etwas freu­en kön­nen in ihrem stres­si­gen Leben. Sie sind etwas banal und arm dran, dar­um mache ich ihnen dann meist die Freu­de und gebe die Pfo­te, sit­ze oder was auch immer sie wol­len. Dafür erhal­te ich dann einen Snack. Etwas zum Beis­sen kann ja nie scha­den und in Sachen Neu­erfin­dung von Hun­de­kek­sen sind sie doch recht innovativ.

Sind die Rän­der der Wirk­lich­keit dif­fus?
Ja schon. Wobei man sich dann schnell fra­gen kann, was die Wirk­lich­keit denn ist und hat sie über­haupt Rän­der? Viel­leicht sind es eher Zacken. «Wirk­lich­keits­za­cken», die in unse­re Welt hin­ein­schau­en. Wenn ich begin­ne, mir dies alles zu über­le­gen, wird mir fast schwind­lig. Agla­ja Vete­r­anyi, eine mei­ner Lieb­lings­schrift­stel­le­rin­nen, hat ein­mal gesagt: «Auch die Fan­ta­sie ist auto­bio­gra­fisch». Das hat mir sehr ein­ge­leuch­tet. So könn­te man die­ses Zitat viel­leicht ergän­zen und dazu sagen: «Auch die Wirk­lich­keit ist vage.»

Dein pein­lichs­ter Büh­nen­mo­ment?
Der Moment wo ich eben nicht da war.
Bei einem Gast­spiel an den Kam­mer­spie­len in Mün­chen muss­te ich als Cala­mi­ty Jane nackt, nur mit Hut, Stie­feln, Schnauz und Gewehr aus­ge­stat­tet auf der Hin­ter­büh­ne abge­hen. Durch einen Gang soll­te ich durch die Gar­de­ro­be und das Foy­er dann recht­zei­tig von der ande­ren Sei­te her, durch das Publi­kum hin­durch, wie­der auf die Büh­ne sprin­gen. Lei­der waren die Türen auf mei­nem Weg plötz­lich alle ver­rie­gelt und ich riss in mei­ner Ver­zweif­lung irgend­ei­nen Not­aus­gang auf und rann­te ins Freie. So stand ich auf ein­mal in mei­nem absur­den Kos­tüm auf einer Fla­nier­stras­se inmit­ten scho­ckier­ter Tou­ris­ten. Zu mei­nem Auf­tritt habe ich es dann zum Glück trotz­dem noch knapp geschafft…

Was lernt man vor allem am Thea­ter?
Fle­xi­bel blei­ben.
Den Humor nicht ver­lie­ren.
Offen sein für alle und alles, was kommt.

Was wür­dest du dem Tod ger­ne ein­mal unter vier Augen sagen?
Lie­ber Tod, ich weiss, du kommst am Schluss sozu­sa­gen als Tüp­fel­chen auf dem i, aber eigent­lich wäre es gar nicht schlecht, du wür­dest eini­ge von uns schon frü­her mal besu­chen. Egal wer wir sind, wie wir aus­se­hen, wie wir leben, du machst da kei­nen Unter­schied und rela­ti­vierst so eini­ges. Du machst die Leu­te wei­cher. Ich den­ke, wenn es etwas gäbe wie einen Mid­life-Tod oder ähn­lich, dann wäre unse­re Welt viel­leicht eine bessere.

Bio­gra­fie
Nach der Matu­ra arbei­tet Anni­na Mach­az am jun­gen Schau­spiel­haus Zürich. Danach schliesst sie an der Hoch­schu­le der Küns­te in Bern mit einem Bache­lor in Schau­spiel und einem Mas­ter in Sce­nic Arts Prac­ti­ce ab. Wäh­rend ihrer Aus­bil­dung erhielt sie den För­der­preis Schau­spiel von Migros Kul­tur­pro­zent und wur­de mit dem «Best Actors Award» für die Rol­le der Ophe­lia am Inter­na­tio­nal ACT Fes­ti­val in Bil­bao aus­ge­zeich­net. Nach dem Stu­di­um spiel­te sie unter ande­rem in Pro­duk­tio­nen von Ivo Dim­chev und Ann Liv Young. Mit ihrer Per­for­mance «Fol­low us» gewinnt Anni­na Mach­az zusam­men mit Mira Kan­dat­hil den Schwei­zer Kul­tur- und Nach­wuchs­för­der­preis PRE­MIO. Mit einer Kurz­ver­si­on der Per­for­mance, wel­che sich mit den Iko­nen Amy Wine­house und Mari­lyn Mon­roe befasst, tourt sie durch die Schweiz. Es folgt ein wei­te­res Stück «Ask the Ora­cle», wel­ches an der Gess­ne­ral­lee Zürich Pre­mie­re fei­ert, ihre neus­te Per­for­mance «Nora oder ein Alten­heim» wur­de im Rah­men von ›Frei­schwim­men‹ pro­du­ziert. Anni­na Mach­az war gemein­sam mit Nils Ama­de­us Lan­ge, Manu­el Schei­wil­ler, Vin­cent Rie­beek und Flo­ren­ti­na Holz­in­ger Teil des Pro­jek­tes «body and free­dom». Aus­ser­dem ist sie als Cow­boy in Flo­ren­ti­na Holz­in­gers’ Per­for­mance «Apol­lon» zu sehen und spielt die Hexe in deren neu­es­tem Stück «TANZ». Neben ihren Büh­nen­auf­trit­ten hat Anni­na Mach­az in ver­schie­de­nen Kunst- und Kurz­fil­men mit­ge­spielt sowie kürz­lich die Aus­bil­dung zur Radio­mo­de­ra­to­rin abgeschlossen.

Foto ©Fla­vio Karrer