Hayat Erdo─ƒan┬®Flavio Karrer

julia rei­chert

direk­ti­on & dra­ma­tur­gie

War­um Neu­markt? 

Weil sich Publi­kum und Büh­ne nir­gends so nah sind. Weil ich glau­be, dass eine Insti­tu­ti­on gleich­zei­tig künst­le­ri­sche und sozia­le Hei­mat und Ort der per­ma­nen­ten (pro­duk­ti­ven) Ver­un­si­che­rung sein kann. Weil Ener­gien und Ideen sich hier schnel­ler und kon­kre­ter über­tra­gen als an jeder ande­ren Büh­ne, die ich ken­ne. Weil es am Neu­markt sowohl ein umfas­sen­des Wis­sen gibt, aber auch die Bereit­schaft, zu ver­ges­sen, was man gelernt hat, und von vor­ne zu begin­nen. Im Wis­sen um die Tra­di­ti­on. Weil es eine Lücke im Markt ist und ein insti­tu­tio­na­li­sier­tes Expe­ri­ment, seit Jahr­zehn­ten. Weil hier alle ein­fach mit­re­den. Zurecht. Weil da ein Team zusam­men­kommt, dass sich in noch gar nicht ima­gi­nier­ba­ren Wei­sen gegen­sei­tig inspi­rie­ren, for­dern und för­dern wird. Weil unter den Die­len noch Exem­pla­re einer Arbei­ter­zei­tung aus den 20ern die Zeit über­dau­ern & weil der Kopie­rer in den 80er Jah­ren nicht nur Pro­gramm­hef­te, son­dern auch Flug­blät­ter aus­ge­spuckt hat. Weil die Werk­stät­ten alles bau­en kön­nen, und es am Ende doch zwei Mann die Trep­pe hoch­tra­gen müs­sen. Weil die Gleich­zei­tig­keit von tota­lem So Tun als Ob und der ganz kon­kre­ten Zusam­men­ar­beit von ver­schie­de­nen Men­schen, Fähig­kei­ten, Agen­den und Per­spek­ti­ven der schöns­te Spiel­platz ist für uto­pi­sche Erzäh­lun­gen und Ver­suchs­an­ord­nun­gen, auf und hin­ter der Büh­ne, bereit­stellt, und man die Uto­pie den­noch an jeder Ent­schei­dung und immer in Aus­ein­an­der­set­zung und Dia­log über­prü­fen muss. Weil einem der Saal kei­nen fal­schen Ton durch­ge­hen lässt.

Wor­auf bist du stolz?

Auf gute Thea­ter­aben­de und gute Teams, auf die Stre­cke Àlfta­va­tn – Land­man­nal­au­gar, auf Bahia Wind­hound & den Abstieg vom Schöll­joch, auf mei­ne Uni­form & jedes gelösch­te Feu­er, auf Momen­te, in denen ich trotz­dem gross­zü­gig war, und jeden Moment, bei dem ich dar­an betei­ligt war, dass jemand bes­ser wur­de als er oder sie dach­te, sein zu kön­nen (mich ein­ge­schlos­sen).

Was war der bes­te Rat, den du erhal­ten hast?

Pick your batt­les, kid­do.

Wofür gibst du dich hin? 

LOVE PLAY FIGHT.

Wie schützt du dich?

Lie­be, Freun­de, Über­zeu­gun­gen.

Was lernt man am Thea­ter? 

Grös­sen­wahn, Demut, Team­work.

Uber or Taxi?

TAXI!

Dein Lieb­lings­wort? 

Huup­pe­li­sa.

Was wür­dest du dem Tod ger­ne ein­mal unter vier Augen sagen? 

«Aber so ist das Leben.»

Wel­ches Kunst­werk wür­dest du besit­zen wol­len?

«Per­ro semi­hundi­do» von Goya.

Wel­ches Buch liegt auf dei­nem Nacht­tisch? 

«Over­sto­ry» von Richard Powers.

Bio­gra­fie
Julia Rei­chert, gebo­ren 1983 in Mün­chen, arbei­tet seit 2008 an ver­schie­de­nen Stadt­thea­tern in Deutsch­land und in der Schweiz, dar­un­ter die Münch­ner Kam­mer­spie­le und das Thea­ter und Orches­ter Hei­del­berg. Sie inter­es­siert sich ins­be­son­de­re für Thea­ter als sozia­le Kunst und die Peri­phe­rien des insti­tu­tio­nel­len Thea­ter­be­triebs, per­for­ma­ti­ves Ler­nen und situa­ti­ves Ver­ste­hen. 2011 bis 2013 war sie als Dra­ma­tur­gin am Thea­ter Neu­markt tätig (arbei­ten mit Bar­ba­ra Weber, Rafa­el San­chez, Milo Rau, u. a.), danach am Schau­spiel­haus Zürich (Arbei­ten mit Réne Pol­lesch, Antu Rome­ro Nunes, Thea­ter Hora/Monstertruck, u. a.) und am Thea­ter Frei­burg (Arbei­ten mit Hei­ke M. Goe­t­ze, Syl­via Sobot­t­ka, u. a.). 2016 folg­te sie der Ein­la­dung Regu­la Schrö­ters, als Dra­ma­tur­gin die Schau­spiel­spar­te des Luzer­ner Thea­ters mit neu aus­zu­rich­ten (Arbei­ten u. a. mit Bru­no Catho­mas, Felix Rothen­häus­ler, Ivna Žic). In der Spiel­zeit 2017/18 über­nahm sie inte­ri­mis­tisch die Lei­tung der Schau­spiel­spar­te des Luzer­ner Thea­ters. 

Foto ©Fla­vio Kar­rer