Hayat Erdo─ƒan┬®Flavio Karrer

Mona Somm

Kollaborateur*in

Was lernt man vor allem am Thea­ter?
Man lernt vor allem sich sel­ber bes­ser ken­nen, sofern man sich sel­ber auch reflek­tie­ren möch­te. Ich bin über­zeugt, das Meis­te was man am Thea­ter lernt, könn­te auch im nor­ma­len Leben gelernt wer­den, sofern die Art von Aus­ein­an­der­set­zung erwünscht ist. Mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen am Thea­ter oder Musik­thea­ter fin­det dies wahr­schein­lich eher statt, weil die Arbeit grund­sätz­lich stark mit der Per­sön­lich­keit eines jeden zu tun hat. Wir kön­nen dem nicht entfliehen.

Bist du käuf­lich?
Ich arbei­te für Geld, aus­ser­halb mei­ner Arbeit bin ich nicht käuflich.

Was denkt ein Hund?
Ich ver­mu­te ein Hund denkt nicht. Aber er hat vor allem eines im Sinn — zu fres­sen — dafür tut er meist sehr viel. Er bringt den Ball, schaut lieb zu mir, ist folg­sam, zeigt Begeis­te­rung für sei­ne Bedürf­nis­se (Gas­si gehen, fres­sen) — aber ich mein­te, er denkt nicht wirklich.

Was kon­trol­liert dich?
Emo­tio­nen, Auf­ga­ben, Begren­zun­gen, Not­wen­dig­kei­ten, Essen­ti­el­le Bedürfnisse.

Wie ver­hältst du dich gegen­über Gren­zen?
Ich ken­ne eini­ge von mei­nen Gren­zen. Das ist wich­tig. Aber ich habe auch erlebt, dass ich mei­ne per­sön­li­chen Gren­zen immer auch gern neu defi­nie­re. Auf mei­ne Arbeit bezo­gen scheint mir zu Beginn eine Par­tie meist unmög­lich. Woche für Woche, Monat für Monat mach­te ich die Erfah­rung, dass ich es schaf­fen kann. Dass ich mei­ne eige­ne Begren­zung über­wun­den habe. Im Leben ist es rat­sam Gren­zen zu set­zen. Mir und ande­ren gegen­über. Ich schütz­te mich damit und auch andere.

Was macht dir Angst?
Ich bin grund­sätz­lich kei­ne ängst­li­che Per­son. Gros­ses Unbe­ha­gen berei­ten mir im Hin­blick auf das Zusam­men­le­ben unse­rer Zivi­li­sa­ti­on eini­ge Din­ge: eine gewis­se Form von Rück­sichts­lo­sig­keit, Nar­ziss­ti­sches Ver­hal­ten von Per­so­nen wel­che in einer Posi­ti­on der Macht­aus­übung sind, Rechts­ge­rich­te­tes Den­ken oder eine sol­che Grund­ein­stel­lung, Ras­sis­ti­sche Men­schen, Eng­stir­nig­keit, Umge­wich­tung der Wer­te — hin zu Gütern — weg vom Krea­ti­ven, Hass, Frau­en­ver­fol­gung und Frem­den­feind­lich­keit. Din­ge, die schwer zu steu­ern sind, weil in der Mas­se oft Grup­pen­dy­na­mik lenkt und nicht ein gesun­der Men­schen­ver­stand und Freundlichkeit.

Wel­cher Illu­si­on gibst du dich ger­ne hin?
Dass ich noch ein­mal auf der ganz gros­sen Büh­ne «Elek­tra» sin­gen werde.

Mit wem unter­hältst du dich am liebs­ten?
Mit mei­nem Sohn, mei­nen Schwes­tern und mit mei­nen bes­ten Freundinnen.

Was wür­dest du dem Tod ger­ne ein­mal unter vier Augen sagen?
Er soll mir bit­te so vor die Augen tre­ten, dass ich nicht lei­den muss.

Wor­auf bist du stolz?
Auf mei­nen Sohn, auf das was ich als Sän­ge­rin erreicht habe, auf mei­ne vie­len Talente.

Was möch­test du machen wenn du alt bist?
Ich möch­te im Schau­kel­stuhl sit­zen, die Son­ne im Gesicht, Natur um mich her­um, Fami­lie und Freun­de sehen, gut essen, schö­ne Musik hören und wis­sen, mei­nem Kind, mir und mei­nen Liebs­ten geht es gut.

Kind oder Kat­ze?
Beides

Wenn du nicht am Thea­ter arbei­ten wür­dest, dann…..?
Ich wär sehr gern Film­schau­spie­le­rin geworden.

War­um Neu­markt?
Das Podi­ums­ge­spräch von ver­gan­ge­nem März über Macht­miss­brauch an den Thea­tern im Kul­turmarkt Zürich, hat mich mit der Co-Inten­dan­tin Julia Rei­chert, zusammengebracht.

Wenn du eine Frei­kar­te hät­test, wohin wür­dest du flie­gen?
Es gibt zu vie­le Orte, eine Kar­te reicht nicht.

Uber oder Taxi?
Taxi, weil ich Uber boykottiere

Bio­gra­fie
Mona Somm wur­de in der Schweiz gebo­ren. Nach ers­ten Stu­di­en in Luzern und Zürich folg­te ein Stu­di­en­auf­ent­halt in New York, an der Man­hat­tan School of Music in New York. Dort besuch­te sie die Gesangs­klas­se der Opern­sän­ge­rin Mignon Dunn. Eva Krasz­nai-Gom­bos aus Basel beglei­te­te die Sän­ge­rin danach wäh­rend zehn Jah­ren in der wei­te­ren Lauf­bahn. Ist­van Krasz­nai, Jean­ni­ne Reiss und Sharo­lyn Kimmor­ley waren wei­te­re wich­ti­ge musi­ka­li­sche Coa­ches der Sängerin.

Im Opern­fach inter­pre­tier­te sie die Titel­rol­le der Elek­tra von Richard Strauss. Es folg­ten die Par­tien der Wer­ke Richard Wagner’s: Sen­ta (der Flie­gen­de Hol­län­der), Venus (Tann­häu­ser, Pari­ser Fas­sung), Kund­ry (Par­si­fal), Sieg­lin­de (Wal­kü­re), Ortrud (Lohen­grin), Brünn­hil­den in allen drei Tei­len des Rin­ges (Wal­kü­re, Sieg­fried, Göt­ter­däm­me­rung) und Somm debü­tier­te 2015 mit der Isol­de aus der gleich­na­mi­gen Oper; Tris­tan und Isol­de.
Mona Somm arbei­te­te mit bedeu­ten­den Diri­gen­ten wie Sebas­ti­an Wei­g­le (Oper Frank­furt), Johan­nes Debus (Cana­di­an Ope­ra Com­pa­ny Toron­to), Fried­rich Hai­der (Natio­nal­thea­ter Bra­tis­la­va), Erik Niel­sen (Thea­ter Basel), Gus­tav Kuhn (Tiro­ler Fest­spie­le Erl), Jan Lat­ham-König (Nova­ya Ope­ra, Mos­kau), Tho­mas Hen­gel­brock (Fest­spiel­haus Baden-Baden), Fab­ri­ce Bol­lon (Thea­ter Frei­burg im Breis­gau), Alex­an­der Veder­ni­kov (Oden­se Ope­ran), Wou­ter Pad­berg (Thea­ter Trier) sowie sze­nisch mit Phil­ip­pe Arlaud, Vera Nemi­ro­va, Atom Ego­y­an, David Bösch, Kas­per Hol­ten, Frank Hil­brich und Ste­fan Goerge.

Mona Somm ist frei­schaf­fen­de Sän­ge­rin und lebt in St. Gallen.