Por­no mit Adorno

Eine Hyper-Pop-Oper oder Nach­rich­ten über das beschä­dig­te Leben 

Er kri­ti­sier­te die Ent­frem­dung der moder­nen Lebens­welt, die Ent­lee­rung aller Uto­pien in der Kon­sum­ge­sell­schaft und die Aus­beu­tung der Natur. Er sprach vom Zusam­men­rot­ten von Erkal­te­ten, vom Her­den­trieb der ein­sa­men Mas­se, vom fes­sel­lo­sen Tun der paus­bä­cki­gen Uner­sätt­lich­keit. Das nach­ei­fern­de Hin­ein­pas­sen­wol­len in die Bil­der der traum­lo­sen Träu­me der Unter­hal­tungs­in­dus­trie bezeich­ne­te er als Insze­nie­rung der Frei­heit als Hoch­be­trieb. Doch wäh­rend er in der pro­duk­ti­vis­ti­schen Gesell­schaft dem Tod der Indi­vi­dua­li­tät zusah und die Gleich­för­mig­keit als Abstump­fung durch die alles ver­ein­nah­men­de Kul­tur­in­dus­trie beschrieb, wur­de er zum Star­phi­lo­soph. Ein intel­lek­tu­el­ler Pop­star, ja ein Idol einer gan­zen Stu­die­ren­den­ge­nera­ti­on in Deutsch­land der Nach­kriegs­zeit.
Theo­dor W. Ador­no – Begrün­der der Kri­ti­schen Theo­rie, Musik­phi­lo­soph, Kom­po­nist, Tan­go­tän­zer – schrieb und sprach über alles: Faschis­mus, Natio­nal­hym­nen, Hol­ly­wood, Bie­der­mei­er-Ein­rich­tun­gen, Ästhe­tik, Sen­sa­ti­ons­qua­li­tät … Er sehn­te sich nach dem Glück, träum­te mit der Horn­bril­le vor dem Gesicht der Durch­schnitt­lich­keit von einer eman­zi­pier­ten Gesell­schaft. Auf der Suche nach dem Rich­ti­gen im Fal­schen wuss­te er, dass Fun ein Stahl­bad ist und wir dar­über lachen, dass es nichts zu lachen gibt.
Aus­ge­hend von Ador­nos Theo­rien und Apho­ris­men ist «Por­no mit Ador­no (AT)» der Ver­such, auf unse­re Gegen­wart zu schau­en – mit Lei­den­schaf­ten und Affek­ten besetzt. «Der Split­ter in dei­nem Auge ist das bes­te Ver­grös­se­rungs­glas», schreibt er in sei­ner «Mini­ma Mora­lia». Wir zoo­men uns an öko­no­mi­sche Über­for­mun­gen her­an, ver­wan­deln Pro­duk­te der Waren­welt in glat­te Skulp­tu­ren, die sich von aller Zweck­mäs­sig­keit eman­zi­pie­ren. Wir affir­mie­ren Pop als Auf­stand von Raum und Zeit, hül­len uns in den tech­no­lo­gi­schen Schlei­er und geben uns dem Exzess der Posi­ti­vi­tät hin.
Unter dem Arbeits­ti­tel «Por­no mit Ador­no» ent­wi­ckelt Regis­seur Felix Rothen­häus­ler gemein­sam mit dem Sän­ger Faber und der Dra­ma­tur­gin Hayat Erdoğan einen viel­leicht dia­lek­ti­schen, aber garan­tiert musi­ka­li­schen Abend, der sich zwi­schen Hyper-Pop, Toten­tanz und Nach­rich­ten über das beschä­dig­te Leben bewe­gen wird. Denn mit dem Por­no ist es nicht anders als mit der Wahr­heit: Man hat ihn nicht, son­dern ist dar­in. → Brief ans Thea­ter von Faber

Pre­mie­re im Janu­ar 2022 im Neu­markt, Saal

Kei­ne Ver­an­stal­tung gefunden 

Mit:

Yan Balis­toy, Faber, Anna Hofmann

PRO­DUK­TI­ONS­TEAM

Regie: Felix Rothenhäusler

Dra­ma­tur­gie: Hayat Erdoğan

Büh­ne: Sina Knecht

Kos­tüm: Elke von Sivers

Musik/Komposition: Goran Koč & Jonas Mjinssen

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