tine milz

direk­ti­on & dramaturgie

Gibt es eine Den­ke­rin, die dich begleitet?

Geor­ges Batail­le. «Plea­su­re only starts once the worm has got into the fruit, to beco­me delight­ful hap­pi­ness must be tain­ted with poison.»

War­um Neumarkt? 

Neu­markt ist ein Ort, an dem Viel­falt herrscht, Des­in­te­gra­ti­on des All­täg­li­chen betrie­ben wird und unter der Bedeu­tungs­lo­sig­keit des moder­nen All­tags das ver­schüt­te­te Begeh­ren nach etwas radi­kal Ande­rem geweckt wird.

Lieb­lings­schau­spie­le­rin?

Gena Row­lands. «Jede gros­se Schau­spie­le­rin hat einen Ton, eine Nuan­ce, eine Stim­mung, die sie in ihrem Spiel beson­ders gut trifft. Bei Gena Row­lands ist das der Akkord der abso­lu­ten Ein­sam­keit. Wo immer sie in ihren bes­ten Fil­men geht und steht, bil­det sich um sie her­um ein Raum, in den nie­mand ein­drin­gen kann. Es ist eine beson­de­re Form von Distanz zu sich selbst. Es ist die Aus­sen­sei­te eines inne­ren Abgrunds.» (Andre­as Kilb in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zeitung)

Wel­ches Buch liegt auf dei­nem Nachttisch?

Oce­an Voung: «On Earth We Are Brief­ly Gor­ge­ous». Die­ses Buch ist ein Meis­ter­werk der Poe­sie. Ein Meis­ter­werk über ein Leben, in dem Gewalt und Zart­heit auf­ein­an­der­pral­len. Und Kathy Ackers «Don Qui­xo­te: Which Was a Dream». Kathy Acker, die aus dem New Yor­ker Under­ground empor­ge­klom­me­ne Lite­ra­tin, die in Gestalt der sin­gu­lä­ren Post-Punk-Autorin die Gren­zen des Sag­ba­ren her­aus­for­der­te. Sie steht für mich für die unent­weg­te Ver­mi­schung von Mythen und Fabu­la­ti­on, von umge­ar­bei­te­ten Pas­sa­gen aus den Wer­ken ande­rer Autor*innen aus der Tri­vi­al­li­te­ra­tur, von expe­ri­men­tel­len und auto­bio­gra­fi­schen Ein­spreng­seln, die alle­samt in der ers­ten Per­son Sin­gu­lar vor­ge­tra­gen und des­we­gen oft­mals als unmit­tel­ba­rer Aus­druck per­sön­li­cher Erfah­rung gedeu­tet wur­den. Ganz nach dem Mot­to: «I’m sick of fuck­ing not knowing who I am.»

Wel­cher Idee bist du treu?

Try and fail. Fail again.

Bio­gra­fie

Tine Milz, gebo­ren 1989, stu­dier­te Poli­tik­wis­sen­schaf­ten, VWL und Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten an der Lud­wig-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät München, mit Aus­lands­auf­ent­hal­ten in Paris und Vene­dig. 2015 bis 2018 stu­dier­te sie Dra­ma­tur­gie und seit 2017 Fine Arts an der Zürcher Hoch­schu­le der Künste. Sie war Mit­glied im Kunst-und Per­for­mance­kol­lek­tiv KAPI­TÆL ZWEI KOLEK­TIF, das u. a. von Ersan Mond­tag mitbegründet wur­de. Wäh­rend des Zürcher Thea­ter­spek­ta­kels 2016 war sie Sti­pen­dia­tin für das watch and talk-Pro­gramm. Sie arbei­te­te als Pro­duk­ti­ons­dra­ma­tur­gin am Schau­spiel Frank­furt und den Münchner Kam­mer­spie­len, war Teil der Jury des Fes­ti­vals Poli­tik im Frei­en Thea­ter und ist im Advi­so­ry Board von The­re­se Wills­tedts Thea­ter in Väx­jö. Sie orga­ni­siert und kon­zi­piert Lesun­gen und Per­for­man­ces und wirkt als Per­for­me­rin in ver­schie­de­nen Pro­jek­ten mit.

 Foto ©Fla­vio Karrer