Hendrik Weber

Regie & Musik

Wie stehst du zu Pflanzen, Tieren und Algorithmen?
Die Intelligenz der Pflanzen übersteigt bei weitem meine Vorstellungskraft, ich weiss nur, dass da eine Intelligenz wirkt, die einem neurologischem System ähnlich ist, das wir als Menschen auch sensorisch wahrnehmen können. Beispielsweise über Atmosphären und Stimmungen, die sich übertragen und uns direkt beeinflussen. Diesem, was da auf uns wirkt, viel Aufmerksamkeit zu geben, erfüllt mich mit Lebenskraft.

Tiere sind schöne Mitbewohner. Ich habe einen Kater, der ist ein treuer Begleiter ist und glaubt, er sei ein Mensch. Er würde gerne auch Holzhacken können, und wenn ich zuhause bin, begleitet er mich bei allem, was ich tue, und er ist sehr verspielt. Ich liebe Pferde, Vögel, Hunde, Hirsche und Ziegen, Regenwürmer auch … Ach, was sage ich, alle Tiere erlebe ich als Freunde, auch wenn sie mal böse knurren oder schreien. Sehenswert hierzu auf YouTube sind die «Schreiziegen».

Algorithmen sind auch Freunde, wenn man sie richtig einsetzt. Sie helfen besonders mir beim Erschaffen von Klängen. Leider stecken in ihnen aber menschliche Werte – die sind nicht immer so intelligent wie die Werte der Pflanze.

Was denkt ein Hund?
Ein Hund denkt so viel wie ein Mensch, nur auf einer anderen Frequenz. Ich konnte mich als Kind sehr intensiv mit Hunden austauschen – stundenlang, tagelang. Ich konnte nicht verstehen, warum Menschen mit ihnen schimpfen und sie an die Leine nehmen … Glaubt mir: Sie sprechen zu uns. Ich muss da allerdings wieder etwas Vokabeln und Grammatik lernen. Im Moment ist mein «Hundisch» nicht sehr gut.

Was ist die Zeit?
Stay on time. Auf der Zeit bleiben, mit der Zeit bewegen gibt Leichtigkeit. Chronos. Das Geordnete vielleicht? … Und doch ist die erlebte Zeit nicht gleich der Uhrzeit. Pünktlichkeit wird überwertet, wir leben alle in unterschiedlichen Zeiten, aber bewegen uns in einer synchronisierten Zeit-Raum-Ebene – so erlebe zumindest ich das … Das Auf- und Abschwellen, das Hin und Her. Sie ist dehnbar und steht doch still. Alles findet gleichzeitig statt, also ist alles immer erlebbar. Wenn ich die Quantenphysik richtig verstehe, können wir in unsere Kindheit reisen und das Erlebte verändern.

Welches Buch liegt auf deinem Nachttisch?
«Das Kind in dir muss Heimat finden» Stephanie Stahl und «Erste Erde Epos» Raoul Schrott.

Biografie
Hendrik Weber, geboren 1975, besser bekannt als Pantha Du Prince, Panthel oder Glühen 4, ist international erfolgreicher Komponist, Produzent und Klangkünstler. Sein Debüt gab er als Pantha Du Prince 2002 mit «Nowhere». Es folgten die Studioalben «Diamond Daze» (2004) und «This Bliss» (2007). 2010 veröffentlichte er sein drittes Album «Black Noise» mit digitalisierten Naturgeräuschen, knisternden Sounds und Glöckchenklängen, für das er 2011 mit dem deutschen Musikpreis «Echo» mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet wurde. Es folgten Arbeiten mit dem norwegischen Komponisten Lars Petter Hagen («The Bell Laboratory») und Stephan Abry («Ursprung») sowie das Album «The Triad», in dem er sich mit energetischen, selbsterschaffenden und ‑erhaltenden Systemen auseinandersetzt. Sein Bühnenwerk «Conference of Trees», das 2018 auf Kampnagel in Hamburg Premiere feierte, tourt seither auf der ganzen Welt. Darin überführt er die zellbiologische «Unterhaltung» in ein künstlerisches Werk, das im Spannungsfeld von Musik, visueller Poesie und spekulativer Wissenschaft einen sinnlichen Zugang zu diesem geheimnisvollen Phänomen ermöglicht.

Foto ©Flavio Karrer